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Burschen und Bismarckdenkmäler


Lübecker Nachrichten 25.01.2003
Die gewaltige Bismarck-Säule - ein Denkmal, das keiner mehr haben will

Von Norbert Dreessen, LN

Reinbek - Eindrucksvoll oder hässlich? Die Meinungen über die gewaltige Bismarck-Säule am Stadtrand von Reinbek gehen weit auseinander. Sicher ist nur, dass Stormarns wahrscheinlich größtes Denkmal nun schon seit 100 Jahren in den Himmel ragt, sich aber in einem beklagenswerten Zustand befindet. Wer von Reinbek nach Aumühle fährt, der kann diesen knapp 20 Meter großen Granit-Koloss gar nicht übersehen, zumal er auf dem 35 Meter hohen Hammelsberg beim Gut Silk steht - gerade noch auf Stormarner Gebiet und nur drei Kilometer von Friedrichsruh entfernt, der letzten Ruhestätte Otto von Bismarcks. Der "eiserne Kanzler" war 1890 nach erheblichen Meinungsverschiedenheiten von Kaiser Wilhelm II. entlassen worden und zog sich nach Friedrichsruh zurück. Dort starb er acht Jahre später - doch vergessen war er nicht. Im Gegenteil, nun setzte im Deutschen Reich eine Bismarck-Verehrung ein, die immer wildere Blüten trug. Dazu gehörte auch die Forderung der deutschen Burschenschaftern, im ganzen Land Bismarck-Säulen als Gedenkstätten zu errichten. Sie sollten nach dem Willen der Initiatoren alle gleich aussehen. Bald darauf erfolgte eine öffentliche Ausschreibung, bei der 320 Entwürfe eingingen. Zehn davon kamen in die engere Wahl, von einer Jury ausgesucht wurde schließlich ein Entwurf des Dresdner Architekten Wilhelm Kreis mit dem erhabenen Titel "Götterdämmerung". Das klobige Denkmal mit dem kantigen Sockel und den angedeuteten Säulen sollte nach dem Willen des Schöpfers an der Spitze eine Feuerschale tragen, die durch einen inneren Aufgang zu erreichen war. An bestimmten Bismarck-Gedenktagen sollten hier große Feuer entfacht werden. Nach und nach entstanden innerhalb weniger Jahre in Deutschland 182 Bismarck-Säulen und -Türme, allerdings nicht alle nach dem "Götterdämmerung"-Modell. Auch in der Größe unterscheiden sie sich erheblich. 145 steinerne Erinnerungen an einen nicht unumstrittenen Staatsmann sind noch erhalten. Das Monument im äußersten Süden Stormarns ist eines der größten seiner Art und kostete rund 65 000 Mark - vor 100 Jahren enorm viel Geld. Aufgebracht wurde die Summe allein aus Mitteln der Burschenschaften. Die Grundsteinlegung fand am 21. Juni 1901 statt, auf den Tag genau zwei Jahre später wurde die Bismarck-Säule feierlich eingeweiht. 1000 Studenten von 44 deutsche Hochschulen waren dabei und blickten ergriffen auf das Reichsadler-Relief mit eingefügtem Bismarck-Wappen. Andreas von Seggern von der Otto-von-Bismarck-Stiftung aus Friedrichsruh fand sogar heraus, was die jungen Leute damals sangen: "Horch, Weihegesang! Horch, Waffenklang! Voll Inbrunst betet die Schar dir, Bismarck. Dir, dir opfern wir auf flammendem Säulenaltar". Danach ging das Interesse an Gedenkfeiern an dieser Stelle kontinuierlich zurück. Die Nazis hielten hier Anfang der 40er-Jahre noch Sonnenwendfeiern ab, doch seitdem kümmert sich niemand mehr um die Säule, auch wenn sie seit 1989 unter Denkmalschutz steht. Heute ist das vergessene Monument mit Farbe beschmiert, der Innenraum starrt vor Dreck und Müll. So traurig wird das bröckelnde Bauwerk wohl auch seinen 100. Geburtstag begehen. Lokalredaktion Stormarn Impressum der Lokalausgabe
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