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Turnvater Jahn


Ostseezeitung 19.03.2003
Literarischer Spaziergang durch Bad Doberan
Friedrich-Ludwig Jahn wollte die deutsche Einheit

Bad Doberan (OZ) Der Bad Doberaner ?Jahnweg? ist wenig auffällig. Fast unbemerkt schlängelt er sich vom ehemaligen ?Moorbad? am Stülower Bach entlang, wird dort von Kleingärten flankiert, und mündet schließlich in den ?Stülower Weg?. Dabei wird mit diesem Weg einer der großen Deutschen geehrt, der als ?Turnvater Jahn? eigentlich sehr bekannt ist, der in den Befreiungskriegen im Lützower Freikorps gekämpft hat, und der nichts sehnlicher wünschte, als ein einiges Vaterland. Friedrich Ludwig Jahn wurde am 11. August 1778 in Lanz bei Lenzen in der Prignitz geboren. Sein Vater war dort Pastor und unterrichtete den Jungen zunächst, mit 14 Jahren kam er dann aber auf das Gymnasium in Salzwedel, wechselte 1794 auf das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin. Schon früh lernte er die Zerrissenheit des Vaterlandes kennen. Er war in Brandenburg, im Hannoverschen und in Mecklenburg gleichermaßen zu Hause. Als viertes Land lernte er Schweden kennen, das in Wismar herrschte und wohin einer der Brandenburger Freunde Hopfen für die Ausfuhr lieferte. Ebenso früh lernte Friedrich Ludwig Jahn reiten, schwimmen, klettern, schießen und auch wandern, so dass ihm schon in jungen Jahren alle Leibesübungen eine Freude waren. Ohne Abitur ? es war damals noch nicht die Voraussetzung für ein Studium ? studierte er an den Universitäten Greifswald, Frankfurt / Oder, Halle und Göttingen, blieb aber nirgends lange, war immer sehr unruhevoll. In Halle trat er in den freimaurerischen Studentenorden ein. Friedrich Ludwig Jahn ging dann wieder auf Wanderschaft, wobei er sich von 1803 bis 1805 als Hauslehrer im Mecklenburgischen aufhielt und im Jahr 1809 Hilfslehrer am Friedrich-Werderschen Gymnasium in Berlin wurde. In einer Biographie zu Fritz Reuter lesen wir, dass der von diesem vor allem in ?Ut de Franzosentid? humorvoll dargestellte ?Unkel Herse?, in Stavenhagen eine Autorität, zur Familie Jahn gute Beziehungen hatte. Herse unterstützte die Bemühungen Friedrich Ludwig Jahns um eine deutsche Einheit, die Jahn später verhängnisvoll wurde, da die deutsche Einheit gar nicht gewollt war und solche Leute wie Friedrich Ludwig Jahn, die eine Einheit des deutschen Vaterlandes anstrebten, als Demagogen verurteilt wurden. Mit Friedrich Friesen gründete Jahn 1810 den ?Deutschen Bund?. Auch in seinen Schriften kommt immer wieder der Gedanke ?Deutschland? zum Ausdruck. So schrieb er u. a. 1810 ?Deutsches Volkstum? und 1816 ?Das deutsche Turnen?. Im Jahr 1811 eröffnete Jahn den 1. Turnplatz auf der Hasenheide in Berlin, 1812 / 13 war er Mitglied des Lützowschen Freikorps. Er war sehr verbunden mit der 1815 in Jena gegründeten Burschenschaft, der Begriff ?Burschenturnen? ist darauf zurück zu führen. 1819 wurde Friedrich Ludwig Jahn geheimer hochverrätischer Verbindungen verdächtigt und verhaftet. Er kam auf die Festung Spandau und in die Festungsstadt Kolberg, 1825 wurde er jedoch frei gelassen. Im Jahr 1814 hatte er seine langjährige Braut Helene Kohlhof geheiratet. Als diese 1823 starb heiratete er im Jahr 1825 ihre Freundin, Emilie Hentsch. Im Jahr 1817 verlieh ihm die Universität Kiel das Doktordiplom. Eine Genugtuung für ihn wird seine Wahl als Mitglied der Nationalversammlung im Jahr 1848 gewesen sein. Friedrich Ludwig Jahn starb am 15. Oktober 1852 in Freyburg an der Unstrut, wo er sich einen Alterssitz, in dem er seine wissenschaftlichen Arbeiten durchführte, geschaffen hatte. Dr. KLAUS HAVEMANN
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