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Meilenstein der deutschen Geschichte


Die Thüringer Allgemeine in der Eisenacher Lokalausgabe, 21.10.02:
EISENACH (kpk). Am Samstagabend begingen gut 250 Vertreter der in der Deutschen Burschenschaft vertretenen Einzelburschenschaften aus Deutschland und Österreich sowie zahlreiche Repräsentanten aus der Politik das 185. Jubiläum des Wartburgfestes und gedachten dabei jener progressiven Studenten, die am 17. Oktober 1817 mit einem Demonstrationszug auf die Wartburg für die Vereinigung ihres damals noch in zahllose Kleinstaaten zersplitterten Vaterlandes und die Freiheit des Geistes und der Wissenschaften eintraten. Das heute unter dem Namen "Wartburgfest" bekannte Ereignis, das von deutschsprachigen Burschenschaftern aus ganz Mitteleuropa anlässlich der 300. Wiederkehr des Anschlages der 95 Thesen Martin Luthers an das Rathaus in Wittenberg und damit des Kulminationspunktes der Reformation organisiert worden war, stellte vor 185 Jahren das erste nennenswerte Signal der zwei Jahre zuvor gegründeten Deutschen Burschenschaft dar und zählt nach wie vor zu einer der historisch bedeutsamsten Meilensteine auf dem Weg Deutschlands in eine parlamentarische Demokratie. Das stellte Festredner Rainer Brüderle, FDP-Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Fraktionsvorsitzender seiner Partei, in seiner Ansprache fest. Mit der Wiedervereinigung vor nunmehr zwölf Jahren sei Deutschland wieder von einer Kultur- zu einer Staatsnation geworden, die ihren festen Platz in einem pluralistischen Europa der Vaterländer gefunden habe, so der frühere Staatsminister. Zugleich warnte Brüderle energisch vor der "einzig verbliebenen Supermacht USA, die der Welt ihren Stempel aufdrückt", und verwies darauf, dass nur wenig Zeit für die Errichtung eines einheitlichen Europas bleibe, um den Amerikanern auch wirtschaftspolitisch stand zu halten. In seiner Begrüßungsansprache erinnerte Aloyse Gombault, Vorsitzender des Verbandes der Vereinigungen Alter Burschenschafter, an die Bedeutung des Wartburgfestes als Grundlage für die Verfassung von 1848/49 sowie später als Vorlage für die Weimarer Reichsverfassung und nicht zuletzt das Bonner Grundgesetz. Letzteres war 1948 unter Mitwirkung Jenaer Burschenschafter verfasst worden. Zu dessen Grundsätzen zähle, dass alle Staatsgewalt vom Volke ausgehe. Schon deshalb sei er entsetzt darüber, so Gombault, wie schnell deutsche Politiker heute voreilig gefasste Entschlüsse in die Tat umsetzen, ohne sich zuvor der Zustimmung des Volkes zu versichern: "Es hätte sich so gehört, die Deutschen wenigstens über die Einführung des Euro abstimmen zu lassen!" Zudem übte er scharfe Kritik am parlamentarischen System der Europäischen Union, in der "das Europäische Parlament weniger zu sagen hat als die Exekutive", so Gombault. Ungeachtet immer wiederkeh-render Vorwürfe gegen einzelne Burschenschaften, sie würden mit rechten Splittergruppen gemeinsame Sache machen, sehen sich deren Vertreter als "absolut überparteilich und in der Mitte der Gesellschaft stehend", wie Marc Natusch von der Rheinfranken Marburg betonte.
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