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Fahne hat nach mehr als 80 Jahren ausgedient


http://www.lz-online.de, 10.06.2002
Fahne hat nach mehr als 80 Jahren ausgedient

Burschenschaft "Cimbria" feierte Doppel-Jubiläum: "50 Jahre Lage 30 Jahre Lemgo"
Lage (vh). Eine Fahne ist wie ein Mensch irgendwann geht auch sie in den Ruhestand und wird durch eine neue ersetzt. 80 Jahre nach dem ersten Stiftungsfest der Burschenschaft "Cimbria" verabschiedeten sich Altherren und Aktivitas am Wochenende von ihrem alten Banner. Ein feierlicher Akt am Gründungsort, der Wilhelmsburg in Lage. Seit über 160 Semestern (50 Jahre in Lage und 30 in Lemgo) pflegt die Burschenschaft "Cimbria" eine gute deutsche Tradition ehemaligen und jungen Studenten die Chance für den Austausch von Information und Erfahrung zu bieten. Dabei blieben die Mitglieder immer ihrem Motto treu: "Dem Freund das Herz, dem Feind das Angesicht." Einmal im Jahr, bei ihrem Stiftungsfest, tragen die Chargierten die alte Uniform mit hohen Stiefeln und langen weißen Handschuhen, mit einem Colleur in Schwarz, Blau und Gold die Farben der Studenten von Lage und Lemgo. Und natürlich marschieren die Mitglieder mit den Degen hoch, denn Fechten gehört weiter zum Burschendasein. Vier Altherren haben das Geld für die neue Fahne gespendet: Hans Hagemann, Jürgen von Gödecke, Herbert Staiger und Ewald Holstein durften bei der Einweihung des neuen Banners auch einen kräftigen Schluck auf die Zukunft trinken. Pfarrer Martin Göke erinnerte die Gäste an das lateinische Wort für "Segen": "Benidiziare bedeutet auf Deutsch auch einen guten Start machen, und wir alle wünschen der neuen Fahne der Burschenschaft einen guten Start." Mit der Zeit hat sich auch "Cimbria" gewandelt. An den Festkommers-Tischen saßen am Wochenende auch Frauen, denn die Burschenschaft ist längst kein elitärer Männerclub mehr. Mitglied Werner Rechmeier: "Unsere Zielsetzung heißt: Ehre, Freiheit, Vaterland. Dahinter verbirgt sich in erster Linie die außerschulische Ausbildung der jungen Studenten. Neben einem fachlichen Wissen braucht man auch eine Persönlichkeitsbildung. In ,Cimbria lernt man viel von unseren 80 Mitgliedern, dazu gehört zum Beispiel wie man sich vernünftig kleidet, wenn man später im Beruf ist. Das sagt ihnen keiner in der Hochschule." Rechmeier ist seit 1969 Mitglied und betont: "Das Entscheidende ist die Verbindung mit den Alten, deren Erfahrung und Hilfe." Zur Meinung der Aktivitas Sprecher Jens Braun: "Wir sind stolz darauf, dass wir als Burschenschaft bis heute die Werte der Väter erhalten konnten." Dipl.-Ing. Thomas Koch glaubt an die Zukunft der Organisationen: "Unter dem Begriff der Ehre verstehen wir heute eine lautere, aufrechte Haltung in Rede, Denken und Handeln. Gerade in der heutigen Zeit ist die Vermittlung dieser Begriffe an die akademische Jugend von außergewöhnlicher Wichtigkeit. " Im Alltag der Burschenschaft bedeutet dies den ständigen Kontakt miteinander. Jeden Dienstag beginnt um 19 Uhr das Treffen der Aktivitas. Sehr oft hat man mit der Hilfe des Dachverbandes "Deutsche Burschenschaften" die Chance, wichtige Figuren der politischen und wirtschaftlichen Szene kennen zu lernen. Nächster Gast ist beispielsweise Eberhard Diepgen, ehemaliger Bürgermeister von Berlin. "O alte Burschenherrlichkeit, wohin bist du verschwunden? Nie kehrst du wieder, goldne Zeit, so froh und ungebunden." So steht es in einem der Lieder des Verbandes. Inzwischen ist zwischen den Clubs in den alten und neuen Bundesländern ein Netz geknüpft worden, in dem jeder weiter vermittelt werden kann und in schwierigen Situationen Hilfe bekommt.
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