| Sie sind hier: Aktuelles > Archiv > Offener Leserbrief zum Bericht „Burschenschaft lädt Rechtsextremisten ein“ von Hubertus Gärtner in Neue Westfälische (17.12.2010) |
Herr Gärtner behauptet, bei der Burschenschaft Normannia-Nibelungen habe mit Felix Menzel ein Rechtsextremist gesprochen. Felix Menzel ist ein Konservativer und bezeichnet sich auch als „rechts“. Einen Extremisten macht dies aber noch lange nicht, nur weil Hubertus Gärtner das meint.
Was Extremismus ausmacht, hat die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung in der jungen Bundesrepublik ganz klar umrissen: Wer das Wahlrecht, das Recht auf Bildung von Opposition, die Unabhängigkeit der Justiz und die Geltung der Grundrechte nicht abschaffen möchte, der ist nicht extremistisch. Wer keine Gewalt- und Willkürherrschaft anstrebt, ist nicht extremistisch. Wer für Gewaltenteilung, für Volkssouveränität, für die Verantwortlichkeit der Regierung, für die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, für das Mehrparteienprinzip und für die Chancengleichheit aller politischen Parteien ist, der ist nicht extremistisch. Vor diesem Rahmen, den das höchste Gericht unseres Landes abgesteckt hat, ist in der Person Felix Menzel und der Online-Schülerzeitung www.blauenarzisse.de nichts Extremistisches zu erkennen.
Der Beitrag über „Claudia R.“ auf der Bielefelder Ideenwerkstatt am 28.11.2010 war eine sehr überspitzt formulierte, aber immerhin noch satirisch vorgetragene Darstellung. Diese wäre in einer Sendung wie „Mitternachtsspitzen“ oder in „Titanic“ auf herzliches Lachen gestoßen. Über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten. Es steht daher auch Hubertus Gärtner frei, die Satire von Felix Menzel als geschmacklos zu empfinden. Daß nun die von Menzel beschriebene, rein fiktive „Claudia R.“ ausgerechnet die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sein soll, ist die Interpretation von Hubertus Gärtner. Wie er anhand der Beschreibungen gerade auf sie kommt, erklärt er nicht. Dies ändert aber auch nichts daran, daß gerade Politiker sich in einer Demokratie literarische Satire gefallen lassen müssen.
Der Beitrag über „Claudia R.“ macht im Übrigen nur einen sehr kleinen Ausschnitt von Felix Menzels Rede aus, was Hubertus Gärtner in der NW wohl bewußt nicht erwähnt und so gekürzt darstellt, wie es für die Tendenz des Artikels gebraucht wurde. Das ist genau die Art des ausgrenzenden, tendenziösen Journalismus, den Felix Menzel kritisiert hat. Menzel hat in seinem Vortrag zum Beispiel betont, seine „perfekte rechte Zeitung“ habe selbstverständlich auch „linke“ Redakteure, weil nur dies pluralistischer und guter Journalismus sei.
Schließlich behauptet Hubertus Gärtner, auf www.blauenarzisse.de sei der jüdische Publizist Henryk M. Broder als „Partypupser vom Holocaust-Mahnmal“ bezeichnet worden. Hubertus Gärtner hat sehr schlecht recherchiert oder ebenfalls bewußt falsch dargestellt. Henryk M. Broder hat sich gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“ selbst so bezeichnet. Dies hat die „Blaue Narzisse“ in dem entsprechenden Beitrag auch so und nicht anders wiedergegeben. Und die Bezeichnung Pinochets als „tragische Figur“ sagt nichts über Sympathie oder Antipathie aus; im Gegenteil wird insbesondere unter Pinochet begangenes Unrecht in der „Blauen Narzisse“ gar nicht in Abrede gestellt oder schöngeredet.
Der Auftritt von Felix Menzel war mehrere Wochen vor der Bielefelder Ideenwerkstatt öffentlich durch unsere Burschenschaft angekündigt worden. Daß Hubertus Gärtner erst drei Wochen nach dem Vortrag einen Skandal wittert, erweckt bei uns den Eindruck, daß er nur auf einen Aufhänger für eine tendenziöse Berichterstattung zulasten unserer Burschenschaft gewartet hat. Diesen bot erst die verstümmelte und selbstinterpretierte Wiedergabe von Menzels Vortrag. Ein Vortrag, der im Internet frei für jedermann einsehbar war und ist und keiner „Enthüllung“ bedurfte, wie sie sich Herr Gärtner nun selbst großspurig zuschreibt. Auf www.bielefelder-ideenwerkstatt.de werden nach Möglichkeit alle bei uns gehaltenen Vorträge veröffentlicht, sofern sie niedergeschrieben wurden. Die Bielefelder Ideenwerkstatt 2009 zum Thema Terrorismus ist sogar als DVD erschienen und im freien Verkauf erhältlich. Da gibt es nichts zu „enthüllen“.
Unser Eindruck eines konstruierten Skandals wird dadurch verstärkt, daß alle anderen Referenten und Umstände der diesjährigen Bielefelder Ideenwerkstatt Hubertus Gärtner keine weitere Berichterstattung wert waren. Am Platz kann es nicht gelegen haben. Platz war immerhin genug für einen Berichtskasten über einen infolge von Holocaustleugnung verbotenen Verein, der dem Text über unsere Burschenschaft als optische Beigabe zugeschoben wurde, als habe er einen inneren Zusammenhang zur Bielefelder Ideenwerkstatt.
Wir hoffen, daß die Leser der NW und die Bielefelder Öffentlichkeit die Möglichkeit nutzen werden, sich auf den Netzseiten der „Blauen Narzisse“ und unserer Burschenschaft Normannia-Nibelungen selbst ein Bild zu machen.
Die Burschenschaft Normannia-Nibelungen wird auch in Zukunft in Bielefeld für einen pluralistischen gesellschaftspolitischen Diskurs einstehen und dadurch einen wertvollen Beitrag für demokratische Meinungsbildungsprozesse leisten.
Die Aktivitas der Burschenschaft Normannia-Nibelungen