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„In Deutschland gibt es viele ehrbare Kaufleute“
Herr Professor Hipp, was sind für Sie die Eckpunkte ethischen Handelns als Wirtschaftstreibender und was macht für Sie Ethik im Wirtschaftsleben aus?
Claus Hipp: Die Eckpunkte für wirtschaftliches Handeln gehen eigentlich zurück auf einen Satz aus dem römischen Recht der heißt: non omne licet honestum est – nicht alles, was gefällt, ist ehrbar, nicht alles, was erlaubt ist, ist ehrbar. Und so ist es heute auch noch. Wir können, ohne gegen ein geschriebenes Gesetz zu verstoßen durchaus so handeln, daß unser Geschäftspartner unglücklich ist. Und das soll nicht der Fall sein.
Wie äußert sich ethisches Handeln und verantwortliche Mitarbeiterführung für Sie konkret?
Hipp: Ethisches Handeln und verantwortliche Mitarbeiterführung beinhaltet eigentlich das Prinzip von Nietzsche: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu. Immer sich in die Position des anderen hineindenken und vor allem langfristig denken. Nicht kurzfristig vermeindlichen Erfolg einheimsen und das auf unehrbare Weise, sondern, es muß so sein, daß es langfristig stimmt.
Wie beurteilen Sie persönlich die Bindung Ihrer Mitarbeit an Ihr Unternehmen? Was zeigen die Maßnahmen, die Sie veranlaßt haben, für eine Wirkung, und hat sich das Betriebsklima und die Zufriedenheit der Mitarbeiter dadurch verbessert?
Hipp: Unsere Maßnahmen helfen uns, das Ziel zu erreichen. Meßbare Erfolge wird es kaum geben. Aber wir haben doch die Erscheinung, daß unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gerne bei uns sind, daß sie lange bei uns bleiben, daß sie vielfach seit drei Generationen, in einem Fall sogar seit vier Generationen schon bei uns gearbeitet haben und Arbeit gefunden haben und schlußendlich ist der Gesamterfolg ja auch ein Indikator dafür, daß wir es wohl richtig machen. Wir sind Marktführer und das als Mittelstandsbetrieb gegen große Konkurrenten.
Gibt es auch Handlungsfelder außerhalb des eigenen Unternehmens für ethisches Handeln für Sie persönlich?
Hipp: Der anständige Umgang miteinander betrifft natürlich unser Verhältnis zum Lieferanten genauso wie unser Verhältnis zu den Abnehmern, unseren Kunden. Wir dürfen keinen enttäuschen, wir sind darauf angewiesen, auch in Zukunft Lieferanten zu haben, die uns beste Qualität liefern. Wenn wir die jetzt im Preis so drücken würden, daß sie keine gute Qualität mehr liefern könnten, dann wäre unser Verhältnis zu den Kunden auch getrübt, denn die erwarten ja, daß wir das Beste liefern, was möglich ist.
Das heißt also, Ihre Haltung bei der Unternehmensführung beeinflusst mittelbar auch Ihre Zulieferer und Geschäftspartner. Sind Sie dann also nicht gänzlich alleine mit Ihrer Werthaltung unter den Wirtschaftstreibenden in Deutschland?
Hipp: Wir sind überzeugt, daß es ganz ganz viele in Deutschland gibt, die ehrbare Kaufleute sind. Die negativen Beispiele, die werden immer schnell einmal bekannt in den Medien, aber das Gros der in der Wirtschaft Tätigen handelt verantwortungsbewußt und handelt ehrbar. Es ist interessant, daß vor allem die jungen Leute sich wieder intensiv darum bemühen und sich sehr stark interessieren, wie ehrbares Handeln in der Wirtschaft aussieht, denn die jungen Leute haben auf jeden Fall verstanden, daß es so wie bisher nicht weitergeht und daß so manche Dinge, die als Tüchtigkeit und Ideal verkauft wurde, in Wirklichkeit eben ein gelebter Egoismus sind.
Begründen Sie denn Ihr ethisches Handeln in Ihrer Unternehmensführung nach christlichem Weltbild oder auf welche geistigen Grundlagen berufen Sie sich dort?
Hipp: Unser ethisches Handeln begründen wir auf dem christlichen Weltbild. Christliches Weltbild heißt aber vor allem: Toleranz anderen gegenüber. Die anderen, das sind viele, die vielleicht Atheisten sind, die gar keinen Glauben haben, wir haben viele Moslems, wir haben die unterschiedlichsten Religionen im Unternehmen. Aber die Christen sind tolerant allen gegenüber, und jeder, der zu uns kommt und jetzt aus einer anderen Weltanschauung kommt, der kann damit rechnen, daß ihm ein Höchstmaß an Toleranz entgegen gebracht wird.
Können Sie mir noch ein paar konkrete Beispiele nennen, wie sich ethisches Handeln bei Ihnen im Unternehmen äußert. Also gibt es da bestimmt Maßnahmen, die Sie veranlasst haben?
Hipp: Wir haben eine ganze Reihe von konkreten Fällen aufgeschrieben in unserer Ethikcharta, denn wir müssen ja schnell entscheiden, wenn irgendein aktueller Fall ist, dann hat man nicht Zeit, da Grundsatzüberlegungen zu machen. Da es geht es z.B. darum, daß Informationen so gegeben werden, daß sie verstanden werden, daß es dimensional reicht für die, die eben damit was tun können und die es brauchen. Daß nicht mit Überinformation sowie mit Datenmüll die wichtige Information versteckt wird. Wir haben genauso festgelegt, daß keiner Geld geben oder nehmen soll, oder andere Werte, damit etwas Ungesetzliches geschieht, also wir sind gegen Bestechung, wir wollen, daß unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen loyal zum Unternehmen sind, auch sorgsam umgehen mit den ihnen anvertrauten Gütern. Wir haben auch festgeschrieben, daß Umweltschutz ein ganz wichtiger Punkt für uns ist. Der Schutz der Schöpfung, der sicher im gewissen Grad schon gut verwirklicht wird, aber da gibt es noch viel zu tun.
Die Mitarbeiter des Hauses Hipp sind also, soweit wie für ihren Aufgabenbereich nötig und möglich, über alle relevanten Informationen im und über das Unternehmen, daß heißt Ziele, Strategien und Veränderungen, auf dem Laufenden zu halten.
Wir bemühen uns zudem, die Entlohnung der Mitarbeiter gerecht und angemessen zu gestalten. Jeder Mitarbeiter soll die Entlohnung erhalten, die seiner Leistung entspricht. Dies ist offen im Rahmen des jährlichen Beurteilungsgesprächs zu erörtern und in Abstimmung mit der Personalabteilung festzulegen.
Unser Unternehmen ist außerdem bestrebt, die Familie zu fördern und den familiären Belangen der Mitarbeiter soweit als möglich Rechnung zu tragen. Bei den Arbeitszeiten sollen daher die betrieblichen Anforderungen mit den persönlichen Belangen über flexible Arbeitszeitregelungen möglichst optimal in Einklang gebracht werden.
Das Gespräch führte unsere Bundesbruder Jan Ackermeier für die Wochenzeitung Zur Zeit.